Artikel »Fair-Share« in: Bezirksblätter Sonderausgabe 2014-10-16 bis -17, S. 23

Max Luger mit LR Martina Berthold
Max Luger mit LR Martina Berthold


Eine Vorbeugungsmaßnahme gegen das Abgleiten in die Armutskriminalität und gegen eine psychische oder psychosomatische Erkrankung setzen - so lässt sich der Grundgedanke der Initiative »Fair Share« zusammenfassen. Zudem sollen so auch Kosten für Therapien und Medikamente eingespart und Erkrankungen, wie etwa Depressionen, als Folge von ständigen finanziellen Sorgen durch die im Fair Share-Container geleisteten finanziellen Zuwendungen gemildert werden. »Wesentlich ist auch, dass durch die Unterstützung das Vertrauen in die Mitmenschen wiedergefunden wird«, erklärt der Geschäftsführer von Fair-Share, Max Luger. Der Fair-Share-Container befindet sich auf dem Mirabellplatz und soll durch seine künstlerische Gestaltung die Menschen aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen.

»Das Thema Armut wird ins Zentrum gerückt und trägt so zur Bewusstseinsbildung bei, dass Armut auch bei uns ein Thema ist. Ich sehe es auch als Beitrag zu einer humanitären Gesellschaftsbildung, mit der eine neue sozio-kulturelle Struktur geschaffen wird, die es meines Wissens auf dieser Welt noch nicht gibt«, so Luger. Seit der Eröffnung des Fair-Share-Containers im Jahr 2013 wurden an 463 bedürftige Personen 63.500 Euro umverteilt. Das Geld wurde von 403 Personen gespendet. Dadurch können von Armut betroffene Menschen mit Würde in Supermärkten oder anderen Geschäften selbstbestimmt einkaufen.



 

Artikel »Fair-Share« in: Bezirksblätter Sonder-ausgabe 2014-10-29 bis -30, S. 17

 

 

 

 

Lisa Gold, salzburg.red@bezirksblaetter.com

Vision einer fairen Welt

Großes Herz für bedürftige Menschen: Max Luger betreibt den »Fair Share«-Container.

Foto: Lisa Gold



Max Luger unterstützt in seinem Fair-Share-Container bedürftige Menschen durch finanzielle Zuwendungen.


Salzburg (lg). »Das Leben ist eine Komödie für die Reichen, ein Spiel für die Narren, ein Traum für die Weisen und eine Tragödie für die Armen« - dieses Zitat hat Max Luger aus Afrika mitgebracht und es nun in seinem »Fair Share«-Container am Mirabellplatz aufgehängt. »Und es ist wahrlich eine Tragödie, wie viele Menschen in Salzburg in Armut leben und mit 150 bis 200 Euro im Monat auskommen müssen«, fügt Luger hinzu, der früher als Pastoralassistent tätig war und sich jetzt als Pensionist für jene Menschen einsetzt, mit denen es das Leben nicht so gut meint.

 

Vision einer fairen Welt

In dem »Fair Share«-Container am Mirabellplatz wurden seit Ende Oktober 2013 gut 67.000 Euro an rund 500 bedürftige Personen umverteilt. »Es war für mich auch ein Experiment. Ich habe mich gefragt, ob die Menschen dazu bereit sind, die Schwächeren in unserer Gesellschaft mitzutragen. Denn ich trage die Vision in mir, dass wir so weit sein müssten, dass wir jene Menschen, die arm sind, nicht an den Rand drängen, sondern sie in unsere Mitte nehmen und sie auffangen«, beschreibt Luger seine Intention. Durch die künstlerische Gestaltung des Containers und den »prominenten« Platz, an dem er abgestellt ist, soll die Armut auch direkt ins Zentrum gerückt werden und zur Bewusstseinsbildung beitragen.

 

Armut ins Zentrum rücken

»Die Menschen sollen nie aufhören, sich darüber Gedanken zu machen. Jeder wünscht sich eine heile Welt und da wird das Thema Armut gerne ignoriert. Aber das ist der falsche Weg. Es ist unvorstellbar, welche Schicksale es auch in unserer Stadt gibt, in welchen desolaten familiären und sozialen Verhältnissen viele Menschen leben und aufwachsen müssen«, betont Luger. Das Prinzip beim Fair Share-Container ist so simpel wie sinnvoll: Menschen kommen mit Spenden zu Max Luger, dieser gibt das Geld völlig unbürokratisch an bedürftige Menschen, die zu ihm in den Container kommen, weiter. »Ich achte darauf, dass ich nie unter hundert Euro weitergebe. Damit will ich einen Impuls setzen, der über bloßes Almosen-Geben hinausgeht. Natürlich muss ich manchen Menschen auch sagen, dass ich ihnen leider nicht weiterhelfen kann, denn ich kann nicht mehr geben als ich habe. Das tut dann natürlich weh«, erzählt Luger seine Erfahrungen. Mit dem Container soll auch dem Abgleiten in die


Nicht die Augen verschließen: Der »Fair Share«-Container auf dem Mirabellplatz macht auf das Thema Armut aufmerksam.

Foto: Lamers


Armutskriminalität und psychischen Erkrankungen wie Depressionen vorgebeugt werden. »Armut macht einsam. Die Menschen ziehen sich zurück und verlieren zunehmend an sozialen Kontakten. Diese Einsamkeit, gepaart mit ständigen finanziellen Sorgen, macht die Psyche krank«, erklärt Luger. Der »Fair Share«-Container ist von Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 14 Uhr geöffnet. »Für mich ist es einfach auch ein Beitrag zu einer humanitären Gesellschaftsbildung«, resümiert Luger.

 

Erzbischof Franz Lackner überreicht den Rupert- und Virgil-Orden an Max Luger

                                                                                                                                   Photo: David Lang

 

Erzbischof Franz Lackner zeichnete Ehrenamtliche aus den Pfarren aus und dankte ihnen für ihren Dienst. 30 Frauen und Männer aus der Erzdiözese erhielten bei einer Feier im Kardinal-Schwarzenberg-Haus in Salzburg am 30. November 2017 den Rupert- und Virgil Orden in Silber.

 

"Mag. Max Luger war Pastoralassistent in Salzburg-St.Elisabeth und Mülln . Er hat das Projekt "ArMut teilen" und die Aktion "Fair Share" gegründet." 

                                                                                                                           Rupertusblatt 10.12.2017

 

Wenn geben, dann aus Liebe...

 

Die Erzdiözese zeichnete Max Luger Anfang des Monats mit dem Rupert- u. Virgilorden aus. Das freue ihn, sagt der pensionierte Pastor-alassistent der Pfarre Mülln, "zumal Anerkennung seitens der Kirche selten ist."

 

Bekommen hat der 68-jährige diese Auszeichnung für sein Sozial-projekt "Fairteilen". Dabei sitzt er in seinem Container auf dem Mirabellplatz, nimmt von Vorbeikommenden Spenden entgegen und gibt sie an Menschen in Not weiter. "So etwas gibt es sonst nirgends", erklärt Luger. Ziemlich genau 161.000 Euro hat er auf diese Weise in den vergangenen vier Jahren umverteilt.

 

"Mir geht es darum, den Leuten über den Berg zu helfen", sagt Luger, der sich freut, wenn regelmäßige Besucher eines Tages nicht mehr anklopfen müssen. Das tun gegen Monatsende bis zu 30 Menschen pro Tag. Es kommen Frauen, wenn der Kindsvater keine Alimente zahlt. Wenn bürokratische Hürden ein Überleben schwer machen. Mittlerweile schicken sogar Organisationen die Leute zu ihm. "Ich bin eine Art letzte Anlaufstelle", sagt Luger. Im Ablauf ist für ihn im fünften Bestandsjahr vieles zur Routine geworden. Eine Regel lautet: Bedürf-tige erhalten ausschließlich Geld. Und nie unter 100 Euro. Ab dieser Summe könne man von einer finanziellen Zuwendung sprechen und überschreite den Almosen-Charakter. Das ist ihm wichtig. Auch dass es rein ums Geld geht, ist für Luger legitim. "Wenn, dann gibt man aus Liebe und knüpft keine Bedingungen daran", erklärt er das Prinzip. Als Sinnbild für seine Arbeit verwendet er den Brunnen: Auch dort fließt Wasser hinein und hinaus, ohne dass jemand groß fragen würde, was mit dem Wasser geschieht.

 

Apropos fließen. Zu Beginn des Projekts seien dank medialer Auf-merksamkeit wesentlich mehr Spenden geflossen. Luger konnte mehr geben. Ein Jahr darauf musste er aufgrund der knapperen Ressourcen Regeln erstellen: Frauen und Kinder zuerst, dann Ältere und Kranke, am Schluss alleinstehende Männer. Die Obdachlosen gingen meist leer aus. Lugers Regeln sprachen sich herum. Heute akzeptieren sie die Leute anstandslos.

 

"Solidaritätsnetzwerke wie dieses werden in Zukunft noch wichtiger, weil das Leben immer teurer wird und sich speziell die Pflegekosten viele nicht mehr leisten können", sagt Luger. Eine Bewilligung für den Container existiert bis 2019. Weil er offiziell nicht als Kunstwerk, sondern als Bauwerk deklariert ist, muss er von Zeit zu Zeit um Verlängerung ansuchen. Bis jetzt zeigten sich Altstadtkommission und Politik einigermaßen entgegenkommend. Aber es werde schwieriger, sagt Luger: "Zuletzt musste ich ihnen das Zugeständnis machen, dass ich mit 70 Jahren aufhören werde. Aber unter uns gesagt: Ob ich das übers Herz bringe, kann ich heute nicht mit letzter Sicherheit sagen."

                                                                                                       Sigrid Scharf

in: Stadt Nachrichten am 21.12.2017